Die Mitte Schwyz will bezahlbaren Wohnraum stärken
29. Mai 2026 – In wachstumsstarken Gemeinden des Kantons Schwyz ist bezahlbarer Wohnraum knapp. Die Mitte Schwyz führte anfangs Jahr einen Workshop zum Thema «Bezahlbarer Wohnraum» unter Beteiligung von externen Fachleuten durch. Im Ergebnis hat sich gezeigt, dass viele Massnahmen auf Ebene Gemeinde ergriffen werden können. Die Mitte Schwyz will nun aber auch auf kantonaler Ebene handeln und hat eine Motion eingereicht: Künftig sollen 20 Prozent der Grundstückgewinnsteuern dort bleiben, wo sie entstehen, in den Gemeinden. Diese Beträge können innerhalb von maximal 10 Jahren für preisgünstigen Wohnraum in der Gemeinde eingesetzt werden, ansonsten fliesen die Beträge wieder in den kantonalen Steuertopf zurück.
Der Bedarf nach bezahlbarem Wohnraum zeigt sich in einigen Schwyzer Gemeinden, akzentuiert in attraktiven Regionen mit Nähe zu Wirtschaftszentren. In einem Workshop der Mitte Schwyz unter Beteiligung von externen Fachleuten wurde die heute Situation vertieft analysiert. Die Erkenntnisse wurden in drei Arbeitsgruppen erarbeitet: aus Sicht der Architektur und des Baumeisters, aus Sicht von Bodenbesitzer und Wohnbaugenossenschaften sowie aus Sicht der Gemeinde und Raumplanung. Eine Grundvoraussetzung ist das Vorhandensein von günstigem, einfach zu bebauendem Bauland an eher zweitrangiger Lage und ein nicht gewinn-orientierter, aber kompetenter Betreiber der zukünftigen Liegenschaften. Die raumplanerischen Voraussetzungen werden idealerweise auf Stufe Gemeinde umgesetzt, da die lokalen Voraussetzungen dabei eine wichtige Rolle spielen. Auf Stufe Bau spielen auch die persönlichen Ansprüche eine Rolle, welche die Wohnkosten beeinflussen. Welche Zimmergrössen sind genügend? Braucht jede Wohnung zwei Nasszellen?
Die Mitte ist der Meinung, dass aufgrund der Akzentuierung des Problems auch auf Stufe Kanton gehandelt werden soll, indem sinnvolle Anreize geschaffen werden. Es geht darum, Startkapital zur Verfügung zu stellen, mit dem Genossenschaften gegründet werden können oder Baurechte für preisgünstigen Wohnraum erworben werden können. Dafür soll ein Tei der in den jeweiligen Gemeinden anfallenden Grundstückgewinnsteuern eingesetzt werden, nämlich 20%. Heute fliessen diese Einnahmen vollständig an den Kanton, obwohl gerade die Gemeinden den steigenden Druck auf dem Wohnungsmarkt bewältigen müssen. Gleichzeitig erschweren hohe Bodenpreise und knappe Bauflächen die Schaffung von preisgünstigem Wohnraum zunehmend.
Die Motion fordert deshalb eine gezielte Stärkung der Gemeinden: Ein Fünftel der Grundstückgewinnsteuern soll den Gemeinden zur Verfügung stehen, zweckgebunden für die Förderung von bezahlbarem Wohnraum. Wird das Geld nicht innerhalb von zehn Jahren eingesetzt, fällt es wieder an den Kanton zurück.
«Wir wollen keinen kantonalen Wohnbau betreiben, aber wir wollen gezielte Anreize und Rahmenbedingungen für die Gemeinden schaffen», sagt Kantonsrat Norbert Knechtle. «Die Gemeinden kennen die lokalen Bedürfnisse am besten und sollen die Mittel erhalten, um konkrete Lösungen umzusetzen.»
Die Gelder sollen gezielt eingesetzt werden, etwa für gemeinnützige Wohnbaugenossenschaften, Stiftungen oder den Erwerb von Land und Baurechten. Ziel ist es, langfristig mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Mit der Motion will Die Mitte Schwyz die Gemeinden stärken und einen konkreten Beitrag zur Entlastung des angespannten Wohnungsmarkts leisten.
Interview mit Kantonsrat Norbert Knechtle
Herr Knechtle, warum braucht es diese Motion überhaupt?
Der Druck auf dem Wohnungsmarkt ist in vielen Gemeinden stark gestiegen. Bezahlbarer Wohnraum wird knapper, während gleichzeitig durch die Handänderungen und die gestiegene Bautätigkeit höhere Grundstückgewinnsteuern anfallen. Wir wollen, dass ein Teil dieser Mittel dort eingesetzt wird, wo der Bedarf am grössten ist, direkt in den Gemeinden.
Was genau soll sich mit Ihrer Motion ändern?
Künftig sollen 20 Prozent der Grundstückgewinnsteuern in den Gemeinden verbleiben, in denen sie anfallen. Diese Mittel sind klar zweckgebunden für die Förderung von preisgünstigem Wohnraum. Damit erhalten die Gemeinden ein konkretes Instrument, um aktiv Lösungen umzusetzen. Wir wollen, dass die Gemeinden in diesem Thema die Initiative ergreifen, weil sie die lokalen Bedürfnisse am besten kennen.
Dem Kanton entgehen dadurch Einnahmen.
Es geht nicht darum, dem Kanton Mittel zu entziehen, sondern sie gezielter einzusetzen. Wenn Gemeinden in bezahlbaren Wohnraum investieren können, entlastet das langfristig den gesamten Kanton, sozial und wirtschaftlich. Zudem sorgt die Rückfallklausel dafür, dass Mittel nicht ungenutzt bleiben.
Warum genau 20 Prozent, ist das nicht willkürlich?
Die 20 Prozent sind ein ausgewogener Ansatz: gross genug, um Wirkung zu erzielen, aber moderat genug, um die Kantonsfinanzen nicht übermässig zu belasten. Uns ist wichtig, eine pragmatische und mehrheitsfähige Lösung vorzuschlagen.
Wie stellen Sie sicher, dass das Geld effektiv eingesetzt wird?
Die Mittel sind klar zweckgebunden, und es gibt eine Frist von zehn Jahren. Werden sie in dieser Zeit nicht eingesetzt, fliessen sie an den Kanton zurück. Das schafft Verbindlichkeit und schafft Anreize, dass das Geld tatsächlich Wirkung entfaltet.
Warum soll der Kanton diese Aufgabe nicht selbst koordinieren?
Der Kanton hat eine wichtige Rolle, aber die konkrete Umsetzung gelingt am besten vor Ort. Die Gemeinden kennen die lokalen Gegebenheiten, die verfügbaren Flächen und die Bedürfnisse der Bevölkerung. Deshalb ist eine dezentrale Lösung hier sinnvoller.
Viele Gemeinden haben bereits eigene Lösungen für bezahlbaren Wohnraum. Braucht es da überhaupt noch eine kantonale Regelung?
Ja und genau daran knüpfen wir an. Viele Gemeinden leisten bereits gute Arbeit. Unsere Motion stärkt sie dabei gezielt, indem sie zusätzliche Mittel erhalten. Es geht nicht darum, bestehende Lösungen zu ersetzen, sondern sie wirksamer und langfristiger abzusichern.
Wird damit das Problem der hohen Wohnkosten wirklich gelöst?
Diese Motion ist kein Allheilmittel, aber ein konkreter und wirksamer Schritt. Sie gibt den Gemeinden zusätzliche Möglichkeiten, aktiv zu werden. Gerade in Kombination mit weiteren Massnahmen kann sie einen spürbaren Beitrag leisten.
Wer profitiert am Ende von dieser Motion?
Vor allem Familien, junge Menschen und Personen mit mittleren Einkommen, die zunehmend Mühe haben, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Letztlich profitieren aber alle, weil so unsere Gemeinden lebendig und attraktiv bleiben.
