Mittagstisch Rothenthurm
6. Juni 2025 – Wie im Bote der Urschweiz in der Ausgabe vom Freitag, 6.Juni, zu lesen war, wird es im kommenden Jahr in Rothenthurm keinen Mittagstisch geben.
Die heutigen Zeiten sind für Familien herausfordernd. Arbeitgeber bieten häufig nur noch hohe Stellenprozente an. Viele Familien wohnen nicht mehr in der Nähe der eigenen Eltern, auf deren Hilfe früher zurückgegriffen wurde. Somit scheidet die Mutter oft aus dem Arbeitsmarkt aus. Immer häufiger ist ein Ausstieg aber gar keine Option mehr. Die Lebenshaltungskosten, Miete und Krankenkassenprämien steigen und auch das Verständnis davon, was ein Mensch zum Leben braucht, hat sich verändert. Die Frauen werden auf dem Arbeitsmarkt gebraucht und wollen auch arbeiten. Wenn die Familie sich nicht organiseren kann und es keine Option ist, dass ein Elternteil zu Hause bleibt oder sie sich den Erziehungsauftrag teilt, bleiben diese Kinder allein zu Hause. Und genau hier liegt der Grund warum das oft gebrauchte Argument, „Familie sei Privatsache“, zu kurz greift. Für diese Kinder besteht ein erhebliches Risiko, in ihrer kognitiven und sozialen Entwicklung beeinträchtigt zu werden. Diese Probleme werden zunehmend zu einer Herausforderung für Lehrpersonen, Kinderärzte, Vereine, später für Lehrbetriebe und letztlich für die gesamte Gesellschaft. Die Diskussion um Kinderbetreuung wird häufig emotional geführt, nach dem Prinzip: ganz oder gar nicht. Entweder übernimmt die Familie die Erziehung selbst oder der Staat. Doch zwischen diesen beiden Extremen gibt es viele Grautöne – entscheidend ist das richtige Mass. Die Kindheit ist deshalb längst keine reine Privatsache mehr. Die Zeiten haben sich geändert, ob uns das gefällt oder nicht. Es ist unsere gesellschaftliche Realität. Und diese muss auch auf politischer Ebene ernst genommen werden.
